{"id":666,"date":"2011-12-27T20:25:52","date_gmt":"2011-12-27T19:25:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.biasedlogic.com\/?p=666"},"modified":"2011-12-27T20:25:52","modified_gmt":"2011-12-27T19:25:52","slug":"schutzleiter_kaffeemaschine","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/biasedlogic.com\/index.php\/schutzleiter_kaffeemaschine\/","title":{"rendered":"Erdung, Schutzleiter und eine Kaffeemaschine in Reparatur"},"content":{"rendered":"\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Zitat vom &#8220;der Praktikant:&#8221;<br>Marek, ein &#8220;Erdungskonzept&#8221; klingt gut!<br>W\u00fcrdest du f\u00fcr uns Anf\u00e4nger und Praktikanten hier im Forum kurz ausf\u00fchren was das ist und wie man so etwas mit welchen Querschnitten idealerweise umsetzt?<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Es ging beim Kaffee-Netz um Revision einer alten Maschine und zwar nicht zum ersten Mal. Das Thema wiederkehrt regul\u00e4r und die Jungs sind echt gut, was das wiederbeleben von alten Mechanik angeht. Dabei ist aber rausgekommen, dass die alten Maschinen nicht unbedingt nach aktuellem Sicherheitsstandard gebaut worden sind. Wenn man bedenkt, dass viele Maschinen aus der Zeit stimmen, wo ein Schutzkontakt in der Steckdose ein Fremdwort war, ist das gar kein Wunder.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieser Artikel habe ich geschrieben, um Leute, die eine alte Maschine restaurieren, ein Bisschen zu unterst\u00fctzen. Es ist keine Anleitung, wie eine Maschine zu bauen ist! Ich habe das aus eigener Erfahrung mit elektrischen Anlagen geschrieben, nach bestem Wissen und Gewissen, ich behaupte aber weder, das alles richtig ist, noch, dass es vollst\u00e4ndig ist. Es soll zumindest als Denkansto\u00df gut sein. Oder ich hoffe es so.<\/p>\n\n\n\n<p>Was das Thema elektrische Sicherheit angeht, soll man sich grunds\u00e4tzlich bei:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>DIN EN 60204-1 (VDE 0113-1)<\/strong> Sicherheit von Maschinen &#8212; Elektrische Ausr\u00fcstung von Maschinen &#8212; Teil 1: Allgemeine Anforderungen,<\/li>\n\n\n\n<li><strong>DIN EN 61140 (VDE 0140-1)<\/strong> Schutz gegen elektrischen Schlag &#8212; Gemeinsame Anforderungen f\u00fcr Anlagen und Betriebsmittel<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>und bei den verwandten Normen einlesen, die geben so ein Bisschen die Windrichtung vor, nicht aber wie man es zu machen hat (nat\u00fcrlich).<\/p>\n\n\n\n<p>Ich versuche hier zumindest ein Denkansatz zu geben &#8211; ohne Anspruch auf Richtigkeit und Vollst\u00e4ndigkeit. Das Thema Schutzerdung ist allgemein recht breit und es ist immer die Frage, wie weit man sie treibt, gerade bei \u00e4lteren Maschinen ist oft eine vollst\u00e4ndige L\u00f6sung unm\u00f6glich, da diese Maschinen daf\u00fcr einfach falsch (aus heutiger Sicht) gebaut worden sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei elektrischen Ger\u00e4ten ist es laut VDE grunds\u00e4tzlich folgenderma\u00dfen vorzugehen:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>die ber\u00fchrbaren Teile m\u00fcssen eine Basisisolierung aufweisen.<\/li>\n\n\n\n<li>falls die Basisisolierung versagt, muss der Fehler abgefangen werden.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p>#1 ist in allen Maschinen, auch den alten, grunds\u00e4tzlich gegeben. Ob die Isolierung nach heutigem Standard eine Pr\u00fcfung durchhalten w\u00fcrde, sei dahin gestellt, desto wichtiger ist aber #2. #2 ist oft problematisch. Die Normen sehen hier wieder zwei L\u00f6sungen vor:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>Um die Basisisolierung wird nochmal eine Isolierung gebaut, also Schutzklasse II = Ger\u00e4te mit doppelter Isolierung. Betrifft uns nicht, es gibt keine Espressomaschinen die der Anforderung genug tun w\u00fcrden (sp\u00e4testens die Br\u00fchgruppe ist leitf\u00e4hig und prinzipbedingt nicht isolierbar).<\/li>\n\n\n\n<li>Alles leitf\u00e4higes an Au\u00dfenteile wird mit dem Schutzleiter so niederimpedant verbunden, dass\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>erstens: es kann sich gar keine gef\u00e4hrliche Spannung auf dem Geh\u00e4use bilden und<\/li>\n\n\n\n<li>zweitens: der \u00fcber Geh\u00e4use abflie\u00dfende Strom die Sicherung ausl\u00f6st. Also Schutzklasse I, Ger\u00e4te mit einem Schutzkontakt. Hier sind wir zuhause.<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Umsetzung&#8230;<\/h2>\n\n\n\n<p>Der Leitfaden beim Aufbau\/Umbau einer Maschine soll also der Gedanke sein: es m\u00fcssen mindestens zwei Fehler passieren (zwei Sachen aus unterschiedlichem Grund ausfallen), eher jemand zu Schade kommen kann. Das mit dem unterschiedlichem Grund ist wichtig: es hilft nicht, wenn ich eine Schicht Isolierband mit einer zweiten Schicht umwickle &#8211; wenn der Kleber bei Hitze versagt, versagt er bei beiden Schichten, das ist keine doppelte Sicherheit. Also gut durchdenken.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Espressomaschine, egal wie alt, soll die Anforderung auf Basisisolierung erf\u00fcllen. Das soll hei\u00dfen, es sind keine stromtragende Teile ber\u00fchrbar oder leitend mit ber\u00fchrbaren Teilen verbunden und die Isolierung die dieses sicherstellt, intakt ist. Erf\u00fcllt die Maschine dies nicht, muss sie entweder \u00fcberholt oder verschrottet werden. Angenommen die Basisisolierung ist in Ordnung, k\u00f6nnen wir uns Sachen weiter \u00fcberlegen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach Norm sind jetzt alle leitf\u00e4hige und ber\u00fchrbare Geh\u00e4useteile an den Schutzleiter mit einer effektiven Impedanz von weniger als 1\u2126 zu kontaktieren.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>ACHTUNG: Ein lackiertes Blech gilt hier als leitf\u00e4hig und isolierend gleichzeitig!<br>&#8211; Isolierend, wenn es um den Kontakt mit dem Schutzleiter geht,<br>&#8211; Leitf\u00e4hig, wenn man die Gef\u00e4hrdung betrachtet!<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Jetzt wird&#8217;s aber kompliziert. Viele, vor allem \u00e4ltere Maschinen sind nicht nach aktuellen Anforderungen gebaut. Da es ist einfach zu schreiben &#8220;alles, was ber\u00fchrbar und leitf\u00e4hig ist, erden&#8221;. Bei vielen Maschinen w\u00fcrde es bedeuten, dass man von jedem Blechteil zu jedem Blechteil ein Erdungskabel ziehen muss, da die Bleche zwar mechanisch befestigt sind, aber ohne Garantie einer leitf\u00e4higen Verbindung! Zum Beispiel ein Seitenblech befestigt mit Blechschrauben, die in Klammern eingeschraubt sind, die wiederum auf lackierten \u00d6sen drauf stecken. Das h\u00e4lt alles zusammen, aber ob die Verbindung auf wirklich leitf\u00e4hig ist, kann keiner sagen.<\/p>\n\n\n\n<p>Man muss aber die Sache ein Bisschen relativieren, oder, besser gesagt, die Kirche im Dorf lassen. Die Maschine wird nicht neu gebaut und h\u00e4tte man kein Hand anlegen m\u00fcssen, w\u00e4re sie auch in Originalzustand weiter gelaufen. Wir werden die Maschine nicht neu konstruieren, wir k\u00f6nnen h\u00f6chstens es versuchen, den Ist-Zustand zu verbessern. Ab jetzt rede ich \u00fcber Verbesserungen und nicht \u00fcber L\u00f6sungen, also ich schw\u00e4tze vom Pfusch am Bau.<\/p>\n\n\n\n<p>Praktisch bedeutet es, zuerst die Maschine m\u00f6glichst gut zu erden und dabei es gut \u00fcberlegen, wo man Abstriche wegen Machbarkeit machen musste, danach diese wieder gezielt angehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als allgemeine Richtlinie zum Verlegen des Schutzerdleiters gilt (Aussage ich, nach Erfahrung und Sachverstand, darf ruhig erg\u00e4nzt werden):<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>Er ist durchgehend mit einer gelb-gr\u00fcner Kupferlitze in hitzefester Isolierung auszuf\u00fchren. Die Leitung darf vom Querschnitt den Querschnitt der Netzzuleitung an keiner Stelle unterschreiten. Es wird empfohlen, selbst, wenn die Netzzuleitung von kleinerem Querschnitt ist, die Geh\u00e4useinterne Verbindungen durchgehend mit mindestens 2.5mm\u00b2\u02db zu verlegen.<\/li>\n\n\n\n<li>Es sind keine L\u00f6tverbindungen erlaubt, au\u00dfer an z.B. Schraub\u00f6sen mit L\u00f6tfahnen, diese sind aber zu meiden. Quetschverbindungen werden bevorzugt. Es d\u00fcrfen keine Litzen direkt in Schraubklemmen geschraubt werden, es sind immer Aderendh\u00fclsen zu verwenden.<\/li>\n\n\n\n<li>Es soll vermieden werden (VDE verbietet es sogar) Schrauben, die eine Befestigungsfunktion haben, als Erdanschl\u00fcsse zu verwenden. Der Verbot bezieht sich sinngem\u00e4\u00df auf Schrauben, die z.B. zwei H\u00e4lften von Rahmen zusammen halten, oder den Kessel an den Rahmen befestigen. Diese sind dann im Betrieb Wechselbelastungen ausgesetzt und der Kontakt zu Kabel\u00f6se kann durch Feuchte unterwandert werden und korrodieren. Ich vertrete aber die Meinung, dass z.B. verchromte Verkleidungsbleche, die mit f\u00fcr den Zweck \u00fcberdimensionierten Schrauben an den Rahmen festgeschraubt werden, \u00fcber diese Schrauben auch elektrisch mit dem Rahmen kontaktiert werden d\u00fcrfen. Zumindest solange sie der letzte Glied in der Erdungskette sind (also so lange man kein weiteres Teil \u00fcber diese Bleche erdet). Sonst m\u00fcsste man die Bleche extra anbohren und \u00fcber weitere Schrauben mit einem Erdleiter verbinden, was in den meisten F\u00e4lle in der Praxis nicht vertretbar ist.<\/li>\n\n\n\n<li>Es soll sichergestellt werden, dass bei der Demontage einer Maschine das Abnehmen einen Teils die Erdung den anderen noch angebauten Teile nicht beeintr\u00e4chtigt. <br>Man stelle sich ein W\u00fcrfel mit vier Seitenw\u00e4nde vor: man darf nicht \u00fcber jedes Eck eine Leitung vom Blech zum Blech ziehen und dann das letzte Blech erden, da sobald man ein Seitenteil entfernt hat, sind einige in der Kette abgeklemmt. Man kann aber den Rahmen erden und jedes Seitenteil an Rahmen anbinden &#8211; dann ist es egal, mit welchem Seitenteil man die Demontage anf\u00e4ngt, die Schutzfunktion bleibt erhalten. Es ist davon auszugehen, dass die Maschine ordnungsgem\u00e4\u00df demontiert wird, also in dem Beispiel, dass man den Rahmen nicht aus dem inneren ausrei\u00dfen kann ohne zuerst die Seitenteile abgenommen zu haben.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p>Bei einer Maschine, die man gerade wieder zusammenbauen m\u00f6chte, w\u00e4re es sinnvoll, bei der Einf\u00fchrung des Netzkabels ins Geh\u00e4use anzufangen. Dort verlieren wir n\u00e4mlich die Kontrolle. Also:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>Die Netzzuleitung kritisch begutachten: gibt es einen ausreichenden Knickschutz? Gibt es eine ausreichende Zugentlastung? Eine gute Zugentlastung soll einem erwachsenem Mann die Leitung aus dem Geh\u00e4use mit m\u00e4\u00dfigen Kraftaufwand nicht ausrei\u00dfen lassen. Auf gutdeutsch soll&#8217;s halt heben. Wenn man sie parallel zur Wand rupft, darf sie nicht eingeschnitten werden. Harte Anforderungen, die die meisten Werksseitig verbauten Teile nicht aushalten (!). Man soll es \u00fcberlegen an der Stelle, gerade bei gr\u00f6\u00dferen Maschinen, eine PG-Verschraubung mit Knickschutz zu verbauen. Bedeutet halt oft aufbohren der Kabeldurchf\u00fchrung, was nutzt aber eine gut geerdete Maschine, wenn der Schutzleiter am Geh\u00e4useeingang abgerissen ist?<\/li>\n\n\n\n<li>Es ist nicht verkehrt kurz nach dem Leitungseingang eine L\u00fcsterklemme geeigneter Gr\u00f6\u00dfe zu verbauen, an die die Netzleitung (L und N) geklemmt werden. Diese L\u00fcsterklemme soll gut in der Maschine befestigt werden. Somit ist die Leitungsl\u00e4nge zur Kabeldurchf\u00fchrung definiert. Es geht darum, dass falls die Zugentlastung versagt und das Kabel ausgerissen wird, die Leitungen aus der L\u00fcsterklemme und nicht irgendwo aus der Schaltung ausgerissen werden. Erstens wird somit h\u00f6chstens eine billige L\u00fcsterklemme besch\u00e4digt und zweitens, wir wissen genau, wie lang die abgerissenen Leitungen (maximal) sind. Mindestens so viel freie L\u00e4nge muss die netzseitige Schutzleitung extra haben, so dass bevor sie abrei\u00dft, die Versorgungsleitungen aus dem Geh\u00e4use rausgezogen worden sind. So ist es garantiert, dass falls die freie, unter Spannung stehende Leitungsenden irgendwo an das Geh\u00e4use von innen kommen, ist dieses noch sauber geerdet. Sobald die Leitungen aus dem Geh\u00e4use raus sind, ist das nicht mehr unser Problem, da ist das Kind sowieso im Brunnen.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p>Ist die Kabeldurchf\u00fchrung in Ordnung, muss man sich die Netzzuleitung anschauen:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>Ist die innere Isolierung heil? Eine Ader um ein Schraubenzieher oder ein Bleistift straff wickeln. Ist die Oberfl\u00e4che der Isolierung rissig oder verf\u00e4rbt sie sich? Falls ja -> Kabel entsorgen und mit einem neuen ersetzen.<\/li>\n\n\n\n<li>Ein St\u00fcck abisolieren. Sind die Kupferdr\u00e4hte gl\u00e4nzend blank? Lassen sie sich leicht ohne aggressiven Flussmitteln verzinnen? Zeigt ein Multimeter Durchgang vom Stecker zur Leitungsende ohne dass man dabei an der Litze rumkratzen muss? Falls nein -> Kabel entsorgen und mit einem neuen ersetzen. Sonst das verzinnte abschneiden, das war nur ein Versuch auf Oberfl\u00e4chenkorrosion.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p>Jetzt kommt endlich das Thema Erdung. In der N\u00e4he vom Eingang Netzleitung sucht man sich einen geeigneten Punkt, der als zentraler Erdanschluss dienen wird. Am sinnvollsten soll er sich am Rahmen befinden, da der Rahmen als Grundkonstruktion sich durch die ganze Struktur zieht. Die Stelle soll gut zug\u00e4nglich sein und es soll dort nicht zu wenig Platz vorhanden sein. Es ist keine schlechte Idee, sich an den Rahmen eine Lasche aus 3mm Stahl schwei\u00dfen zu lassen, in der man wiederum entweder ein Paar L\u00f6cher f\u00fcr M4 Schrauben bohrt oder Stehbolzen anpunkten l\u00e4sst. An dieser Stelle laufen alle PE-Leitungen zusammen. Nun bereiten man die Netzleitung vor: die Ader sind so zu k\u00fcrzen, dass wenn der durch die Verschraubung eingef\u00fchrte PE-Leiter mit seinem Kabelschuch auf dem Sammelerdpunkt sitzt, sind die offene Enden von L und N noch 20mm weg von der Au\u00dfenwand des Ger\u00e4ts und zwar drau\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Erdungskonzept<\/h2>\n\n\n\n<p>Es geht immer zweigleisig. Eine Seite ist, &#8220;den Brand einzugrenzen&#8221; und die zweite &#8220;den Brand am Herd zu bek\u00e4mpfen&#8221;.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir wollen den Benutzer gegen Folgen von Fehler in der Anlage m\u00f6glichst gut sch\u00fctzen. Ein einfacher Fehler k\u00f6nnte &#8211; in unserem Kontext &#8211; zweierlei Art sein:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>montagebezogene, &#8220;mechanische&#8221; Fehler<\/li>\n\n\n\n<li>materialbezogene, &#8220;elektrische&#8221; Fehler<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p>Unter &#8220;mechanisch&#8221; verstehe ich Fehler wie ein abgefallener Stecker, auslaufendes Wasser, also besonders Fehler, die letzendlich auf eine Fehlmontage bzw. mangelnde Sorgfalt oder Erfahrung beim Zusammenbau zur\u00fcckzuf\u00fchren sind. Diese sind oft durch einen geschickten Aufbau abwendbar.<\/p>\n\n\n\n<p>Charakteristisch f\u00fcr diese Fehler ist, dass es nicht vorhersehbar ist, wo der elektrische Strom &#8220;eingespeist&#8221; wird, also z.B. welchen Teil der Maschine die lose offene Leitung ber\u00fchrt. Hier redet man von &#8220;den Brand eingrenzen&#8221;, also man erdet m\u00f6glichst alles am Geh\u00e4use, so dass es egal ist, welches Teil unter Spannung kommt.<\/p>\n\n\n\n<p>Unter &#8220;elektrisch&#8221; verstehe ich grunds\u00e4tzlich ein Isolationsversagen, also z.B. eine rissige Isolierung einer Leitung, oder ein Geh\u00e4useschlu\u00df einer Heizung, also Fehler, die nicht bei einer &#8220;gesunden&#8221; Maschine vorkommen k\u00f6nnen, Fehler, bei welchen vom Materialversagen auszugehen ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Man kann dabei davon ausgehen, dass alle Teile am Platz bleiben. Hier ist es sinnvoll gezielt vorzugehen und wahrscheinliche Fehler direkt abzufangen. Zum Beispiel: Eine durchgebrannte Heizung stellt oft ein Kurzschluss von der Heizspirale zum Heizk\u00f6rper dar. Es ist zweckm\u00e4\u00dfig, den Sockel der Heizung direkt auf kurzem Weg mit dem Schutzleiter zu verbinden, statt die Heizung z.B. \u00fcber Kessel zu erden. Genauso ist es nicht verkehrt, den Bedienpanel, in dem alle Schalter unterbracht sind, direkt an den Schutzleiter zu verdrahten und nicht erst \u00fcber das Geh\u00e4userahmen. An der Stelle ist die erh\u00f6hte Sicherheit (weniger Kontaktstellen bis zum Schutzleiter) nicht fehl am Platz.<\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt d\u00fcrfte man sich den Kabelbaum anschauen, beziehungsweise wenn man ihn neu aufbaut, projektieren. Am wichtigsten zuerst der Leistungspfad, also wie der Strom zu der Heizung kommt. Als Grundkonzept sollen die Hinleitung und R\u00fcckleitung in einem Zweig zusammen verlaufen. Die Schutzleiter die die Zielbaugruppen direkt erden sollen verlegt man sinngem\u00e4\u00df in gleichem Kabelbaum, wie die Versorgungsleitungen, parallel dazu (Schleifenimpedanz).<\/p>\n\n\n\n<p>Der zweite Schritt ist die Baugruppen, die zwar nicht inherent elektrisch sind, aber ein erh\u00f6htes Risiko tragen, sauber zu erden.<br>Bei einer Kaffeemaschine fallen mir hier:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>Kessel<\/li>\n\n\n\n<li>Br\u00fchgruppe<\/li>\n\n\n\n<li>Der schon erw\u00e4hnte Bedienpanel, bzw. das Frontblech, in dem alle Schalter und Leuchten sitzen<\/li>\n\n\n\n<li>bei Festwasseranschluss: K\u00f6rper der Rota-Pumpe<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p>ein.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese sollen \u00fcber getrennte Schutzleitungen an den zentralen Erdpunkt angeschlossen werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Danach kommt die Verkleidung, also der Schritt mit &#8220;den Brand eingrenzen&#8221;. Wom\u00f6glich die Bleche an einer unauff\u00e4lligen Stelle durchbohren (soweit sie keine geeignete Stelle f\u00fcr den Schutzleiter vorgesehen haben) und mit einer Schutzleitung an den Rahmen anbinden. Die Anbindung soll so ausgef\u00fchrt werden, dass durch die Schraube kein Strom flie\u00dfen muss.<br>Bei gefalzten Seitenteile d\u00fcrfte sich in unterem Bereich eine geeignete Stelle finden lassen, ein Bisschen erfinderisch muss man schon sein.<br>Die Anbindungen soll man mit kurzen Leitungen machen, allerdings sollen sie doch lang genug sein um bei der Demontage des Seitenteils nicht \u00fcberm\u00e4\u00dfig strapaziert zu werden. Am Besten man befestigt das eine Ende am Blech, legt den Seitenteil dann auf den Tisch neben der Maschine und k\u00fcrzt die Leitung so, dass man sie noch problemlos anbinden kann. So ist die sp\u00e4tere De- und Montage einfacher.<\/p>\n\n\n\n<p>Grunds\u00e4tzlich ist solche Anbindung so zu machen:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>falls die Verbindung mit dem Schutzleiter nicht mehr gel\u00f6st werden muss oder an das Geh\u00e4useteil ein Stehbolzen fest angebaut ist, steckt man die Schraube durch das Blech (entf\u00e4llt beim Stehbolzen), dann kommt eine F\u00e4cherscheibe (oberfl\u00e4chenverletzende Scheibe), dann der Kabelschuh, dann Unterlegscheibe und dann die Mutter. Beim Anziehen fri\u00dft sich die F\u00e4cherscheibe durch die Oxidschicht durch und bohrt sich ins Metall ein. Somit ist ein guter Kontakt gew\u00e4hrleistet.<\/li>\n\n\n\n<li>falls die Verbindung zum Schutzleiter bei der Demontage gel\u00f6st werden muss (z.B. an Seitenteile): zuerst kommt die Schraube durch das Blech, dann F\u00e4cherscheibe, dann Mutter, die wird fest angezogen und nie mehr gelockert. Jetzt kommt der Kabelschuh, eine normale U-Scheibe, ein Sprengring (Federring) und wieder eine Mutter. Fertig.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p>Einige sch\u00f6ne Diagramme dazu liegen beim Rittal: <a href=\"http:\/\/www.rittal.de\/downloads\/TechInfo\/PS_Schutzleiter_D_GB_12_1998.PDF\">http:\/\/www.rittal.de\/downloads\/TechInfo\/PS_Schutzleiter_D_GB_12_1998.PDF<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Wenn man damit durch ist, stellt man fest, dass nicht alles so m\u00f6glich war, wie die Theorie es vorsieht.<br>Ich habe so eine Abstufung:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>Stufe 1: Teile, wie z.B. ein Metallb\u00fcgel, der mit einer Gewindestange endet, die durch Geh\u00e4usewand verschraubt wird. Ich lege eine F\u00e4cherscheibe unter die Mutter, erde die Geh\u00e4usewand (ggf. sogar an der Stelle) und erkl\u00e4re die Sache f\u00fcr gegessen, aber streng genommen darf man nicht davon ausgehen, dass ein Gewinde leitend ist. Also Kontakt zur Mutter ist da, aber ob das Gewinde mit der Mutter auch ein Kontakt hat ist offen. Ich halte aber die Stelle f\u00fcr weitgehend ungef\u00e4hrlich.<\/li>\n\n\n\n<li>Stufe 2: es gibt Teile, die man nicht sauber nach Vorschrift erden kann, da die Maschine falsch gebaut ist, die man aber zumindest so gut mit dem Schutzleiter verbinden kann, wie sie an den Stromkreis angebunden sind. Beispiel: Ein sch\u00f6nes Schild aus Metall, der mit zwei Schrauben befestigt wird. Der Schild ist vorne auf einem Holzbrett angebracht, die Schrauben ragen aber durch das Holz ins Innere einer Maschine, gehen durch den Rahmen und dann werden mit einer Mutter gesichert. Sie halten also gleichzeitig die Holzverkleidung fest. Ein Verbrechen erster Art. Ich lege dann auf die Schraube einen Kabelschuh, U-Scheibe, Sprengring und eine zweite Mutter, somit habe ich die Schraube geerdet. Es ist zwar keine saubere Erdung f\u00fcr den Schild drau\u00dfen, aber er kann nur \u00fcber die Schrauben unter Spannung gesetzt werden, also halte ich die L\u00f6sung f\u00fcr vertretbar und ausreichend, selbst, wenn nicht gut.<\/li>\n\n\n\n<li>Stufe 3: Es gibt Teile, die sich gar nicht erden lassen. Wieder Beispiel, wie eben vorhin, nur ist der Schild mit zwei Nieten an ein Kunststoffgeh\u00e4use befestigt. Von innen kommt man an die Nieten, sie sitzen aber im Kunststoff. Da kann man nur den Fehler (Kontakt mit stromtragenden Leitung) verhindern, also im Beispiel: die Nieten mit Isolierscheiben abdecken. Das ist dann eine doppelte Isolierung (die Kabel haben ja schon eine) und somit eigentlich sicher, nur nach meinem Kenntnisstand ist es so in einem Ger\u00e4t Schutzklasse II nicht erlaubt. Trotzdem, die Situation vorhin war noch schlechter. Solche Bl\u00fcmchen versuche ich gleich zu beseitigen, oft ist es aber schwer ohne das Ger\u00e4t umzugestalten (Schildchen kann entfernt werden, ersetze Schildchen mit Bedienpult und schon sieht die Sache anders aus&#8230;)<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p>Ein letzter Schritt ist noch die \u00dcberlegung, wo man die Fehlerfolgen minimieren kann. Zum Beispiel<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>Flachsteckh\u00fclsen k\u00f6nnen abfallen. Wenn sie aber eine Kunststoffh\u00fclse haben, stellen sie auch frei rumh\u00e4ngend keinen elektrischen Kontakt zu Teile, die ber\u00fchrt werden.<\/li>\n\n\n\n<li>Kabelbaum umgewickelt mit einer Kunststoffspirale ist zwar noch nicht doppelt isoliert, aber falls eine Leitung Riss in der Isolierung haben soll, stellt die Kunststoffspirale einen Abstandhalter dar, der verhindert, dass das blanke Metall die Geh\u00e4usewand kontaktieren kann.<\/li>\n\n\n\n<li>Kabelbinder genauso &#8211; ein aufger\u00e4umter Kabelbaum ist so gut wie selbsttragend und ein abgefallener Stecker kann nicht irgendwo hin fliegen.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p>und so weiter&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Ein alter Meister aus einem anderen Land hat &#8211; misstrauisch, wie er gegen\u00fcber modernen Messger\u00e4ten war &#8211; die Schutzleitungen immer mit einem Baustrahler \u00fcberpr\u00fcft. Das war eine nach heutiger Sicht grob fahrl\u00e4ssige Pr\u00fcfung, man soll sie aber im Kopf behalten, wenn man eigene Arbeit nach Gef\u00fchl beurteilt. Der Kerl hat einfach die Phase auf den Schutzkontakt des zu pr\u00fcfenden Ger\u00e4ts gelegt und &#8211; mit Schutzhandschuhe usw. &#8211; am Geh\u00e4use wieder an unterschiedlichen Stellen abgegriffen und damit ein 1kW Flutstrahler versorgt. Leuchtete der nicht mit voller Kraft, war es klar, dass irgendeine Verbindung am A*.*sch ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Viel Spa\u00df!<\/p>\n\n\n\n<p>Marek<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zitat vom &#8220;der Praktikant:&#8221;Marek, ein &#8220;Erdungskonzept&#8221; klingt gut!W\u00fcrdest du f\u00fcr uns Anf\u00e4nger und Praktikanten hier im Forum kurz ausf\u00fchren was das ist und wie man so etwas mit welchen Querschnitten idealerweise umsetzt? Es ging beim Kaffee-Netz um Revision einer alten &hellip; <a href=\"https:\/\/biasedlogic.com\/index.php\/schutzleiter_kaffeemaschine\/\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2,10],"tags":[],"class_list":["post-666","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-coffee","category-tools-etc"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/biasedlogic.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/666","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/biasedlogic.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/biasedlogic.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/biasedlogic.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/biasedlogic.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=666"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/biasedlogic.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/666\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/biasedlogic.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=666"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/biasedlogic.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=666"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/biasedlogic.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=666"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}